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Die Schleizer Kleinbahn

Mit dem Bau der Bleilochtalsperre, der im Jahre 1927 begann, war das Problem des enormen Materialtransportes zu lösen. Die anliegenden Gemeinden planten zwar schon länger den Bau einer Eisenbahnstrecke, um Transporte wirtschaftlicher durchführen zu können und auch dem aufstrebenden Tourismus ein Transportmittel zu bieten, aber letztendlich fehlte das Geld. Nun bot sich die Gelegenheit, mit Bildung einer Aktiengesellschaft das angestrebte Ziel zu verwirklichen. Der Kreis und die Stadt Schleiz waren neben der AG Thüringische Werke und der AG Obere Saale an der Bildung der Schleizer Kleinbahn AG
am 25. 10. 1927 beteiligt. Die Bahn wurde auf der Grundlage des preußischen Kleinbahngesetzes als Privatbahn gebaut und organisiert. Als Kleinbahn wurden Bahnen bezeichnet, die nur eine geringe Bedeutung für den öffentlichen Verkehr hatten. Sie konnten mit vereinfachten Vorschriften gebaut und betrieben werden und waren somit erheblich billiger in Herstellung und Unterhaltung. Baubeginn war das Frühjahr 1928 und am 28.6.1930 erfolgte die feierliche Eröffnung der 15,2 km langen Strecke.

Der beabsichtigte Weiterbau nach Ebersdorf und damit der Anschluss an die Reichsbahn wurde bereits im Juli 1930 auf unbestimmte Zeit verschoben und später auch nie realisiert. Die Linienführung begann im Bahnhof Schleiz, wo auf einem separaten Bahnsteig der Zug Richtung Saalburg bestiegen werden konnte. Über Schleiz-West verließ der Zug die Stadt Schleiz und folgte dem Tal der Wisenta. Haltepunkte gab es an der Glücksmühle, in Oschitz, Möschlitz, Burgk bis zum Bahnhof Gräfenwarth, wo die 2,7 km lange Teilstrecke zur Sperrmauer abzweigte. Weiter Richtung Saalburg ging es ins Tal hinunter zur 30m hohen und 180m langen Wetterabrücke, dem größten Kunstbau der Strecke. Hier überquerte die Bahn zusammen mit der Landstraße einen Ausläufer des Bleiloch-Stausees. Über den Haltepunkt Kloster wurde dann schließlich das Ziel der Reise in Saalburg erreicht. Dort befanden sich auch Unterstell- und Wartungsmöglichkeiten für die Fahrzeuge. Die Strecke war elektrifiziert mit Gleichstrom und wurde mit einer Spannung von 1200 Volt betrieben. Zum Fahrzeugbestand gehörten je zwei Personen- und Gütertriebwagen sowie vier Beiwagen, die nach Bedarf eingesetzt wurden. Mit ihren Stromabnehmern und der Farbgebung in Elfenbein ähnelten die Fahrzeuge Straßenbahnen. 1949 wurde die Schleizer Kleinbahn AG der Deutschen Reichsbahn unterstellt und die Triebwagen in die Baureihe ET 188 eingegliedert. Der elektrische Fahrbetrieb konnte bis zum 31. Mai 1969 aufrechterhalten werden. Die elektrischen Anlagen waren verschlissen und eine Erneuerung erschien unwirtschaftlich. Zum Einsatz kamen dann Leichtverbrennungstriebwagen, im Volksmund „Ferkeltaxe“ genannt. Später wurden dann lokbespannte Züge gefahren, vorrangig mit der Baureihe 110 und Rekowagen. Nach Einstellung des Güterverkehrs wurde auch der Reiseverkehr im Frühjahr 1996 beendet. Spätestens 2001 zerschlugen sich alle Hoffnungen auf eine Reaktivierung der Strecke, als die Eisenbahnbrücke über die Autobahn A9 ersatzlos abgerissen wurde. 2008 erwarb die Stadt Schleiz die Strecke von der Deutschen Bahn. Die Betriebsanlagen wurden zurückgebaut und auf der ehemaligen Bahntrasse ein Radweg angelegt. Der Oberlandradweg wurde am 15. Mai 2010 eröffnet.

Nach Außerdienststellung wurde ein Teil der Fahrzeuge der Schleizer Kleinbahn verschrottet. Der Beiwagen EB188 513 wurde 1974 nach Anpassungsarbeiten zur Oberweisbacher Bergbahn überführt und dient dort seitdem als Aufsetzwagen auf der Güterbühne. Dresdener Eisenbahnfreunden ist es zu verdanken, dass drei weitere Fahrzeuge restauriert und damit der Nachwelt erhalten geblieben sind. Es handelt sich um je einen Personentriebwagen (ET 188 511), einen Personenbeiwagen (EB 188 514) und den Gütertriebwagen ET 188 521. Diese drei Fahrzeuge gehören zum Bestand des Verkehrsmuseums Dresden und waren bereits auf vielen Ausstellungen zu sehen.

An diesen Ausstellungen nahm auch die AG Verkehrsgeschichte Schleiz (www. ag-verkehrsgeschichte-schleiz.de) teil und ergänzte die Fahrzeugschau mit Präsentationstafeln zur Historie der Strecke.
Ein Modell des Gütertriebwagens ET 188 521 im Maßstab 1:11 (!) ist im
Museum im Rutheneum zu Schleiz zu sehen.

Bilder: Sammlung AG Verkehrsgeschichte Schleiz
Dr. Gerd Müller, AG Verkehrsgeschichte Schleiz