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Inhalt:

  • Gender
  • Geduld
  • Gedenken an meiner Muttersprache

Gender

Sprachgenderismus schadet der Sprache und dem Denken

Es gibt ein grammatisches Geschlecht (Genus) und ein natürliches Geschlecht (Sexus). Genus ist das Geschlecht des Wortes (Maskulinum [der], Femininum [die], Neutrum [das]), Sexus ist das Geschlecht von Lebewesen.

Das Geschlecht des Wortes (männlich, weiblich oder sächlich) stimmt nicht immer mit dem Geschlecht des Lebewesens überein, das durch das Wort bezeichnet wird. Es gibt maskuline Wörter, die nicht nur männliche Personen bezeichnen, zum Beispiel Gast, Säugling oder Filmstar, feminine Wörter, die nicht nur weibliche Personen bezeichnen, zum Beispiel Waise, Majestät oder Geisel, und Neutra, die männliche und weibliche Personen oder nur eine einzige Person natürlichen Geschlechts bezeichnen, zum Beispiel Staatsoberhaupt, Mitglied, Weib oder Kind. Diese Wörter sind in ihrer Bedeutung geschlechtsübergreifend.

Wer diese Ausdrucksmöglichkeiten für sein natürliches Geschlecht als diskriminierend empfindet und ihren Gebrauch bekämpft, bekämpft die Sprache, indem er ihre Verarmung befördert. Er beraubt die Menschen der Möglichkeiten, in allgemeinen, geschlechtsübergreifenden Begriffen zu sprechen, was zum Verschwinden ungezählter Wortbedeutungen führt. Der Wähler ist dann stets ein Mann, die Wählerin eine Frau, das geschlechtsneutrale Wort für eine Person, die wählen geht, ist jedoch verschwunden.

Redewendungen wie „Übung macht den Meister“ oder „Der Klügere gibt nach“ dürften nicht mehr gebraucht werden, weil die geschlechtsübergreifende Bedeutung nicht mehr gedacht werden darf.

Sätze wie „Frauen sind eben doch die besseren Zuhörer“ könnten überhaupt nicht mehr formuliert werden, da die sprachfeministisch korrekten Versionen „Frauen sind eben doch die besseren Zuhörerinnen“ oder „Frauen sind eben doch die besseren Zuhörerinnen und Zuhörer“ ad absurdum führen würden.

Wo es möglich ist, ersetzt man die Doppelform durch Partizipien wie „Studierende, Lehrende oder Lernende“ oder neue Begriffe wie „Lehrperson“, was ein abstraktes und entfremdendes Deutsch und einen papierenen Stil ergibt.

In einem österreichischen Universitätsmagazin heißt es: „Besorgniserregend ist die Entscheidung des Bildungsministeriums, nur mehr gendergerechte Schulbücher zu approbieren. So liest man in einem Unterstufen [!]-Deutschbuch folgende Aufforderung: ,Eine/r ist Zuhörer/in, der/die andere ist die Vorleser/in. Eine/er liest den Abschnitt vor, der/die Zuhörer/in fasst das Gehörte zusammen.“ Man schreibe nie, was man nicht sprechen kann, oder was zu einer Verkrüppelung der gesprochenen Sprache führt (Professx, Stud_entin, Trans*autoren, Akteure/innen [gendergerechte Schreibweisen nach Prof. Dr. phil. Lann Hornscheidt, geb. Antje Hornscheidt, Humboldt-Universität Berlin]). In dem Österreichischen Schulbuch hat man für Kinder gedruckt, was sich nicht einmal fließend lesen läßt.

Die Sexualisierung der Sprache durch die Diskreditierung geschlechtsübergreifender Wortbedeutungen hat eine eklatante Verarmung und Bürokratisierung der Sprache, die Denunzierung aller Sprechenden, die sich dagegen verwahren, und eine Einschränkung der Freiheit des Denkens zur Folge. Der Sprachgenderismus ist eine aggressive Ideologie, die sich gegen die deutsche Sprachkultur und das weltliterarische Erbe richtet, das aus dieser Kultur
hervorgegangen ist.

Reiner Kunze


Geduld

Geduld ist der Schlüssel zur Freude

altägyptische Weisheit

Gedenken an meiner Muttersprache

Kann man Tote zum Leben erwecken?
Ja, das geht …. unsere Sprache nämlich, indem wir sie täglich gebrauchen, um miteinander reden und streiten, lachen und weinen, diskutieren und debattieren zu können.

In Schleiz geboren, aufgewachsen, meine Muttersprache Deutsch in Wort und Schrift erlernt, habe ich noch immer eine enge Beziehung zu dieser kleinen liebenswerten Stadt. Es ist und bleibt meine Heimatstadt; hier sind meine Wurzeln, auch wenn ich jetzt schon seit vielen Jahren in Bad Köstritz lebe.
Sehr früh habe ich gemerkt, dass ich mich durch meine Sprache nicht nur akustisch bemerkbar machen kann.
Deutsch wurde in der Schule zu dem Fach, das mich am meisten begeisterte.
Vielleicht, oder mit Sicherheit sogar, waren es meine Lehrer , die diese Begeisterung entdeckten und förderten.
Als Schulkind habe ich es geliebt Gedichte auswendig zu lernen und leidenschaftlich vorzutragen. Ich habe an unzähligen Rezitatorenwettbewerben teilgenommen und Preise bekommen.
So wie man Mimik und Gestik als Mittel der Verständigung einsetzt, kann ich meiner Sprache verschiedene Klangfarben geben, um all meine Gefühle und Emotionen zum Ausdruck zu bringen.
Meine Muttersprache ist somit Teil meiner Identität geworden.

Vor Jahrhunderten galt es als vornehm französisch zu sprechen, um sich vom „niederen Volk“ abzuheben. Wer etwas auf sich hielt, garnierte seine Rede mit französischen Begriffen.
Und wie ist es heute? Viele meinen, besonders intelligent und weltmännisch zu erscheinen, wenn man seine eigene Muttersprache mit zahllosen Anglizismen schmückt. Doch es ist meist das prompte Gegenteil, weil Fremdwörter völlig falsch in Zusammenhang gebracht werden.
Aber nicht nur „Denglisch“ ist eine Form, der man Einhalt gebieten muss; auch gilt es, den Regeln der deutschen Rechtschreibung und Grammatik wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken und sie nicht einer Willkür überlassen .
Unsere junge Generation muss für unser schönes ausdrucksstarkes Deutsch wieder mehr sensibilisiert werden.
Unser Deutsch hat so einen großen Wortschatz! Jeder der irgendeinen Schatz besitzt, hütet und bewahrt ihn. Warum tun wir das nicht mit unserer Sprache?
Natürlich ist alles Veränderungen unterworfen, die sich schneller oder langsamer durchsetzen und die Sprache beleben.
Leben ist Veränderung!

Und natürlich sind viele Fremdwörter aus der deutschen Sprache nicht mehr wegzudenken. Der Computer zum Beispiel macht das Leben leichter und unsere Kommunikation wesentlich schneller.

Aber brauche ich etwa Begriffe wie „event“ oder eine „location“, wenn ich zu einer Veranstaltung gehen möchte und einen Ort dafür suche?
Muss ich zum „voting“ wenn ich doch auch die Wahl habe?

Werke, die vor Jahrhunderten von Luther, Lessing, Goethe, Schiller oder Heine in deutscher Sprache geschrieben wurden, sind heute noch verständlich.
Obwohl es damals immer noch ein buntes Durcheinander der Dialekte gab, konnte man sich untereinander verständigen.
Duden hatte erkannt, dass die Sprache eine Vereinheitlichung der Rechtschreibung braucht. Zu diesem Zweck verfasste er ein Rechtschreibwörterbuch für die Allgemeinheit.
Ach Konrad, was ist aus deinem „Duden“ geworden?

Und außer „Denglisch“ ist seit kurzem eine weitere Unsitte in unsere Muttersprache eingedrungen. Es wird „gegendert“ !
Mit der Gendersprache soll nun die Gleichstellung der Geschlechter endgültig besiegelt werden. Sternchen, Klammer und Binnen-I haben Einzug gehalten und verstümmeln und zerreißen den Sprachfluss; sowie missachten sie die Grundsätze der Sprachästhetik.
Hat das noch etwas mit Klarheit und Verständlichkeit zu tun?
Ich habe vier Jahre lang an der Martin- Luther- Universität in Halle Germanistik studiert.
Um ehrlich zu sein…. Wir haben nicht durchweg studiert, waren nicht immer „Studierende“, aber vier Jahre lang Studenten.
Wenn ich irgendwo eingeladen werde, fühle ich mich als „Gast“ ebenso wohl wie meine männlichen Begleiter.
Wann hat dieser Genderwahn ein Ende?

Meine Grundschuljahre an der Goetheschule, die vier Jahre an der EOS „Dr. Konrad Duden“ in Schleiz und die vier Jahre an der Martin- Luther- Universität in Halle/ Saale haben mich geprägt. Sicherlich hat das auch mit diesen drei großen Namen zu tun.

Goethe- ein genialer Dichter und Denker, der uns mit seinem „Faust“ das bedeutendste Werk deutschsprachiger Literatur schenkte.
Duden- Germanist und Philologe, der akribisch Wort für Wort sammelte, in einem Wörterbuch zusammenfasste und Regeln der Rechtschreibung und Grammatik aufstellte.
Luther- Augustinermönch, Theologieprofessor und Reformator, der aus für viele unverständlichem Latein eine Bibel schrieb, die jeder lesen und verstehen konnte und deren sprachliche Gestaltung bis in unsere Gegenwart sprachbildend wirkt.

Sie waren immer Wegbegleiter und haben mich darin bestärkt, meine Muttersprache mit allen Kräften zu verteidigen und die kulturelle und sprachliche Vielfalt zu bewahren. Verständlichkeit und Klarheit der Sprache müssen immer Vorrang haben.

Aus diesem Grund bin ich 2017 dem Verein Deutsche Sprache beigetreten. Hier habe ich Gleichgesinnte und Mitstreiter gefunden.

Meinen Enkelkindern und den kommenden Generationen wünsche ich, dass unsere schöne ausdrucksstarke und klangvolle deutsche Sprache erhalten bleibt und nicht in einem „Mischmasch“ untergeht.
Auch wenn wir in einer modernen digitalen Welt mit Facebook, Twitter, Instagram und E- Mails leben, so können wir uns doch immer noch deutsch unterhalten und müssen Satzbau und Sprachstil nicht der Schnelligkeit opfern?
Es wird auch zukünftig ein Deutschland geben mit einer wundervollen Muttersprache, die es zu erhalten gilt.